Stromquellen & Kennlinien
Warum das Gerät je nach Verfahren anders regelt — fallende und konstante Kennlinie
AI generated Die Stromquelle ist das Herz jeder Schweißanlage: Sie liefert Strom und Spannung. Aber nicht jede Quelle regelt gleich — WIG und E-Hand brauchen eine fallende Kennlinie, MIG/MAG eine konstante. Wer den Unterschied versteht, versteht, warum sein Lichtbogen sich so verhält.
Die Stromquelle ist das Herz jeder Schweißanlage. Sie liefert das, was den am Leben hält: Strom (Ampere) und Spannung (Volt). Zusammen ergeben sie die Leistung — P = U · I. Der Strom bestimmt, wie viel Werkstoff abschmilzt, die Spannung, wie lang und stabil der Lichtbogen brennt.
Der entscheidende Begriff ist die Kennlinie: Sie beschreibt, wie sich die Spannung verändert, wenn der Strom steigt oder sinkt. Und da gibt es zwei Grundtypen, die zu zwei verschiedenen Verfahrenswelten gehören.
Fallende Kennlinie (konstanter Strom) — für WIG und E-Hand
Hier sinkt die Spannung, wenn der Strom steigt. Das bedeutet: Die Quelle hält den Strom möglichst konstant, auch wenn du mit der Hand etwas zitterst und die sich ständig ändert.
Warum ist das wichtig? Beim WIG und E-Hand führst du die bzw. die von Hand — die Lichtbogenlänge schwankt unvermeidlich. Mit fallender Kennlinie bleibt der Strom trotzdem fast gleich, der Einbrand wird gleichmäßig, und die Naht wird sauber. Der Schweißer stellt am Gerät den Strom ein, die Spannung stellt sich von selbst auf die Lichtbogenlänge ein.
Konstante Kennlinie (konstante Spannung) — für MIG/MAG
Hier bleibt die Spannung fast konstant, und der Strom passt sich an. Das ist die Grundlage der berühmten Selbstregulierung beim MIG/MAG-Schweißen: Die wird mit konstanter Geschwindigkeit nachgeschoben. Wird der Drahtabstand kürzer, steigt der Strom, der Draht brennt schneller ab — und der Abstand stellt sich von selbst wieder ein. Wird er länger, sinkt der Strom, der Draht brennt langsamer ab. Der Lichtbogen regelt sich also automatisch stabil.
Dazu die zweite Beziehung, die du im Gefühl haben solltest: Längere Lichtbogen = höhere . Ziehst du den Brenner hoch, steigt die Spannung und der Lichtbogen wird breiter und flacher; tauchst du ab, sinkt sie und der Einbrand wird tiefer. Genau deshalb siehst du an der Spannungsanzeige, wie lang dein Lichtbogen gerade ist.
Für die Praxis heißt das: Beim WIG/E-Hand stellst du den Strom ein, beim MIG/MAG die Spannung (und den Drahtvorschub). Das Gerät macht den Rest — vorausgesetzt, es hat die richtige Kennlinie für dein Verfahren.