Schweißverfahren

Autogen (Gasschmelzschweißen)

Flamme statt Lichtbogen — Schweißen, Löten und Schneiden mit Brenngas und Sauerstoff

Autogen (Gasschmelzschweißen) AI generated

Beim Autogenverfahren erzeugt eine Brenngas-Sauerstoff-Flamme die Wärme — ganz ohne Strom. Die Flamme schmilzt das Metall, der Zusatzstab wird von Hand zugeführt. Der Großvater aller Schweißverfahren lebt weiter: fürs Löten, Schneiden, Reparieren und überall dort, wo es keinen Strom gibt.

Das — landläufig „Autogen" — ist der Großvater aller Schweißverfahren. Statt eines Lichtbogens erzeugt hier eine Flamme die Wärme: Ein Brenngas (meist Acetylen) verbrennt mit Sauerstoff und erreicht dabei über 3000 °C. Mit dieser Flamme schmilzt du das Metall und führst den Zusatzstab von Hand zu — ganz ohne Stromquelle.

Warum ausgerechnet Acetylen so heiß wird

Die Flamme ist eine kleine Chemiefabrik. Acetylen verbrennt in zwei Stufen: Zuerst zerfällt es in Kohlenstoff und Wasserstoff und verbrennt mit dem mitgeführten Sauerstoff — dabei entsteht die hell leuchtende erste Verbrennungszone, der Innenkegel. Dahinter verbrennt der Rest mit dem Sauerstoff aus der Umgebungsluft. Genau diese zweistufige Verbrennung macht die Flamme so heiß (rund 3160 °C) und gleichzeitig so gut dosierbar. Andere Brenngase wie Propan erreichen weniger und heizen langsamer — fürs Löten und Anwärmen reicht das, fürs Schmelzschweißen von Stahl ist Acetylen der Maßstab.

Der große Vorteil: Autonomie. Kein Strom, keine Schutzgasflasche, keine Elektrode mit Umhüllung — nur Brenner, Brenngas, Sauerstoff und ein Zusatzstab. Das Verfahren funktioniert überall, auch fernab jeder Steckdose.

Die Flamme ist das Werkzeug — und du kannst sie einstellen

Neutrale Flamme: Sauerstoff und Brenngas im richtigen Verhältnis, mit klar definiertem Innenkegel — fürs Schweißen von Stahl.

Reduzierende Flamme (kohlenstoffreich): Mehr Brenngas — fürs Hartlöten und für Werkstoffe, die keine Oxidation vertragen.

Oxidierende Flamme (sauerstoffreich): Mehr Sauerstoff — heißer, aber oxidierend, nur für Spezialfälle wie Messing.

Die Flamme verrät dir ihre Einstellung: Ein kurzer, scharf begrenzter Innenkegel bedeutet neutral, ein langer, gefranster Kegel zu viel Sauerstoff, ein verschwommener, blasser Kegel zu viel Brenngas.

Brenner & Düse

Die Düsengröße wählst du passend zur Blechdicke — zu kleine Düse gibt nicht genug Wärme, zu große überhitzt das Blech. Geschweißt wird „nach links" (dünne Bleche, Brenner in Schweißrichtung geschoben) oder „nach rechts" (dicke Bleche, Brenner gegen die Richtung gezogen). Der Zusatzstab ist für Stahl meist niedrig gekohlt und kupferbeschichtet gegen Rost.

Vier Aufgaben, für die Autogen unschlagbar bleibt:

1. Löten & Hartlöten: Der feine Unterschied zum Schweißen: Beim Löten schmilzt nur der , nicht der Grundwerkstoff — der bleibt fest. Die Flamme bringt kontrollierte Wärme, wo der Lichtbogen zu grob wäre: Kupferrohre, Kühler, Schmuck, Sanitär, Karosserieblech.

2. Brennschneiden: Hier verbrennt ein Sauerstoffstrahl das erhitzte Eisen regelrecht und bläst es weg. Das Blech wird erst mit der Flamme auf Zündtemperatur gebracht, dann schneidet der reine Sauerstoffstrahl — dickes Blech trennt so kein anderes Verfahren so wirtschaftlich.

3. Reparatur & dünne Bleche: Karosserie, Dachrinnen, Verblechung — dort, wo sanfte, gut dosierbare Wärme gefragt ist.

4. Wärmen, Richten & Vorwärmen: Die Flamme ist auch eine präzise Wärmequelle. Du kannst sie zum vor dem Schweißen nutzen, zum Richten verzogener Bleche oder zum — Aufgaben, für die ein Lichtbogen viel zu grob wäre.

Der Preis: große Wärme, viel Verzug

Die Flamme bringt ihre Wärme breit ein — die ist groß, das Blech verzieht sich, und die bauen sich im ganzen Bauteil auf. Deshalb gehört Autogen bei dünnem Blech in erfahrene Hände: Wer heizt, bis es glüht, hat die Welle schon drin, bevor die Naht steht.

Sicherheit ist hier Chefsache: Acetylen ist hochexplosiv. Flaschen nie liegend betreiben, beim Wechsel von Druckminderern und Rückzündsicherungen arbeiten, und beim Schweißen verzinkter Teile entstehen giftige Zinkdämpfe — gut lüften oder Absaugung nutzen.

Die Nachteile: Es ist langsam, die Wärmeeinbringung ist groß (viel Verzug), und die Nahtgüte erreicht nie die eines Lichtbogenverfahrens. Für tragende Konstruktionen ist Autogen deshalb heute weitgehend abgelöst — aber als Handwerkstechnik und fürs Löten bleibt es unverzichtbar.

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