Schweißverfahren

MAG/MIG-Schweißen

Metall-Aktivgas und Metall-Inertgas — das Arbeitspferd der Schweißtechnik

MAG/MIG-Schweißen AI generated

Beim MAG/MIG-Schweißen schmilzt eine endlose Drahtelektrode unter Schutzgas ab und trägt sich selbst in die Naht ein. Es ist das schnellste, wirtschaftlichste Verfahren für Stahl (MAG) und Aluminium (MIG) — der Standard in Werkstatt und Serie.

MAG und MIG sind Geschwister: Beide nutzen eine endlose , die von der Spule kommt, im abschmilzt und sich selbst in die Naht einträgt. Der Unterschied steckt im Schutzgas:

MAG (): Das Gas ist aktiv — oder ein Argon-CO₂-Gemisch. Es reagiert mit der Schmelze. MAG ist das Standardverfahren für unlegierte und niedriglegierte Stähle.

MIG (): Das Gas ist inert — Argon oder Helium, reagiert nicht. MIG nimmt man für Aluminium, Kupfer und hochlegierte Stähle.

Der große Vorteil gegenüber WIG: Geschwindigkeit und Wirtschaftlichkeit. Die Hand bleibt frei, und lange Nähte gehen in einem Zug durch. Deshalb ist MAG/MIG das Arbeitspferd in jeder Werkstatt, im Stahlbau und in der Serienfertigung.

Drahtvorschub: 2 Rollen oder 4 Rollen?

Der Draht wird von einem Motor über Rollen von der Spule durch das Schlauchpaket zum Brenner geschoben. Genau hier steckt die erste Weiche:

2-Rollen-Antrieb: Eine angetriebene Rolle und eine Andruckrolle. Kompakt und günstig — reicht für Stahl-Massivdraht. Der Draht wird aber nur an einer Stelle gegriffen; bei Widerstand im Schlauchpaket rutscht er durch.

4-Rollen-Antrieb: Zwei angetriebene Rollen greifen den Draht an zwei gegenüberliegenden Stellen. Deutlich mehr Vorschubkraft und bessere Führung. Pflicht für weiche Drähte (Aluminium, Fülldraht) und für lange oder stark gebogene Schlauchpakete, wo der Reibwiderstand groß ist.

Die Seele: Welche Führung für welchen Draht?

Im Schlauchpaket läuft der Draht durch eine Führung — die Seele (auch Liner genannt). Welche du brauchst, hängt vom Draht ab:

Stahlseele (Spiralliner): Robuste Stahlwendel für Stahl-Massivdraht. Der Draht läuft sauber, die Seele hält lange.

Teflon- oder Kunststoffseele: Für Aluminium- und Edelstahldraht. Alu ist weich — in einer Stahlseele schleift er sich Späne ab, die die Seele verstopfen und Poren in die Naht bringen. Die Kunststoffseele schont den Draht.

CFK-/Nylon-Seele: Leicht und reibungsarm, für lange, eng gebogene Schlauchpakete und dünne Drähte.

Merke: Stahldraht in die Stahlseele, weicher Draht (Alu, Fülldraht) in die Kunststoff- oder Teflon-Seele — sonst kämpfst du mit Vorschubproblemen und Poren.

Drahtstärke und die nötige Energie

Welche Drahtstärke du wählst, entscheidet über die nötige Energie — also den Schweißstrom und die Abschmelzleistung. Als grobe Richtwerte für Stahl-Massivdraht (Argon/CO₂):

0,6 mm: ca. 40–120 A — Feinblech, Karosserie, dünne Profile.

0,8 mm: ca. 60–180 A — Blech 1–3 mm, der Standard im Handwerk.

1,0 mm: ca. 80–240 A — 3–6 mm, der Allrounder.

1,2 mm: ca. 120–320 A — 6–15 mm, Stahlbau und dicke Querschnitte.

1,6 mm: ca. 200–450 A — dicke Bleche, hohe Abschmelzleistung, oft als Fülldraht.

Die eigentliche Stellgröße ist die : Mehr Draht pro Minute bedeutet mehr Strom und mehr Energie. Dicker Draht schafft bei gleichem Strom mehr Abschmelzleistung, braucht aber auch mehr Energie, um überhaupt zu schmelzen — deshalb gehört zu jedem Drahtdurchmesser ein passender Strombereich.

Die Übergangsart — wie der Draht ins Bad tropft

: Bei hoher Leistung löst sich der Draht als feiner Tropfenstrom ab. Tiefer Einbrand, hohe Abschmelzleistung — für dicke Bleche und waagerechte Nähte.

Kurzlichtbogen: Bei niedriger Leistung taucht der Draht kurz ins Bad, schmilzt ab und zündet neu. Spritzerarm, gut für dünne Bleche und Zwangslagen.

: Der Strom pulsiert kontrolliert — ein Tropfen pro Impuls. Spritzerfrei wie WIG, aber schneller. Ideal für Alu, Edelstahl und Zwangslagen.

Neben dem Massivdraht gibt es den mit Pulverfüllung — er bildet Schlacke, verbessert die Nahtoberfläche und eignet sich für dickere Querschnitte und Außenmontage.

Die Grenzen: MAG/MIG ist anfällig gegen Zugluft (der Gasschutz bricht zusammen, Poren entstehen) und verzeiht weniger als E-Hand, was Rost, und Schmutz angeht. Für tragende Nähte im Stahlbau gilt ohnehin die zertifizierte Schweißanweisung.

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