Wärmebehandlung nach dem Schweißen
Spannungsarmglühen, Anlassen, Wasserstoffarmglühen — warum die Naht nachbehandelt wird
AI generated Nach dem Schweißen ist die Arbeit oft nicht getan. Spannungsarmglühen baut Eigenspannungen ab, Anlassen entschärft die aufgehärtete , Wasserstoffarmglühen treibt den Riss-Auslöser Wasserstoff aus. Diese Nachbehandlungen entscheiden darüber, ob eine Naht hält — gerade bei dicken, hochfesten oder sicherheitskritischen Bauteilen.
Die Naht ist gezogen, der Schlacke entfernt — und trotzdem ist das Bauteil noch nicht fertig. Bei vielen Werkstoffen folgt jetzt eine Wärmebehandlung, die erst dafür sorgt, dass die Verbindung hält. Drei Ziele hat sie:
1. Eigenspannungen abbauen — . Beim Erkalten schrumpft die Naht und zieht am kalten Grundwerkstoff. Es entstehen , die im ungünstigen Fall die des Werkstoffs erreichen. Das Spannungsarmglühen (550–650 °C) lässt diese Spannungen kontrolliert abklingen.
2. Die aufgehärtete entschärfen — . In der kann sich beim Schweißen gebildet haben — hart und spröde. Ein Anlassen bei 600–700 °C wandelt ihn in zäheres, angelassenes Gefüge um und senkt die Härte auf zulässige Werte.
3. Wasserstoff austreiben — Wasserstoffarmglühen. Der gefährlichste Rissauslöser ist aus feuchten Elektroden, Schutzgas oder dem Bauteil selbst. Er wandert zur Naht und löst dort verzögert aus — manchmal erst Stunden nach dem Schweißen. Ein direktes Nachwärmen (Wasserstoffarmglühen, 200–300 °C, mehrere Stunden) treibt den Wasserstoff aus, bevor er Schaden anrichtet.
Wann ist welche Nachbehandlung nötig? Das hängt an vier Faktoren:
• Werkstoff: Hochfeste, hochgekohlte und vergütete Stähle brauchen fast immer Nachbehandlung. Unlegierte Baustähle mit niedrigem CEV oft nicht.
• Dicke: Dicke Bleche erzeugen mehr Eigenspannungen und kühlen schneller ab → mehr Martensit und Wasserstoff.
• Belastung: Tragende, drucktragende und schwingend belastete Bauteile werden nachbehandelt, weil Spannungen und Sprödigkeit dort kritisch sind.
• Norm/Vorschrift: Für Druckbehälter und Stahlbau ist die Nachbehandlung oft Pflicht und in der WPS festgeschrieben.
Die Reihenfolge zählt: Wasserstoffarmglühen sofort nach dem Schweißen (bevor der Wasserstoff Schaden anrichtet), Spannungsarmglühen/Anlassen danach. Und Achtung bei der : Manche Stähle verspröden bei 250–450 °C — die musst du beim Anlassen überspringen.