Metallurgische Vorgänge & Gefügelehre

Schweißzusätze & ihre Auswahl

Warum welcher Zusatz — die fünf Regeln, die dir kein Datenblatt verrät

Schweißzusätze & ihre Auswahl AI generated

Der Schweißzusatz entscheidet, ob deine Naht hält oder reißt — und trotzdem wird die Auswahl kaum irgendwo sauber erklärt. Der Zusatzwerkstoff muss zur Festigkeit, zur Legierung und zur Betriebsbedingung des Grundwerkstoffs passen. Hier lernst du die fünf Regeln, mit denen du immer zum richtigen Draht, Stab oder zur richtigen Elektrode greifst.

Der ist das Bauteil, das du verschweißt. Der ist das Material, das du zuführst — Draht, Stab oder Elektrode. Zusammen aufgeschmolzen ergibt beides das , also das Metall, aus dem deine Naht am Ende wirklich besteht. Genau da liegt der Punkt: Deine Naht ist weder reiner Grundwerkstoff noch reiner Zusatz, sondern eine Mischung aus beidem.

Deshalb reicht es nicht, „irgendeinen rostfreien Draht“ zu nehmen. Du wählst den Zusatz so, dass diese Mischung am Ende die Eigenschaften erreicht, die das Bauteil braucht. Dafür gibt es fünf Regeln.

Regel 1: Die Festigkeit muss stimmen. Der Zusatz muss mindestens die (Rm) des Grundwerkstoffs erreichen, in der Regel auch die . Für einen nimmst du also keinen Zusatz für . Ausnahme ist das bewusste „Undermatchen“: Bei rissanfälligen, hochgekohlten Stählen nimmt man bewusst einen weicheren Zusatz, weil der Spannungen besser abbaut — aber nur, wenn die Konstruktion das erlaubt.

Regel 2: Die Legierung muss mitziehen. Der Zusatz muss mindestens so hoch legiert sein wie der Grundwerkstoff, sonst verliert die Naht ihre Sonderfähigkeit. Schweißt du einen korrosionsbeständigen Stahl mit einem unlegierten Draht, rostet ausgerechnet die Naht. Faustregel: Edelstahl → Edelstahl-Zusatz, und bei Mischverbindungen (Stahl auf Edelstahl) den höher legierten Zusatz wählen.

Regel 3: Das Gefüge vorhersagen. Bei nichtrostenden Stählen entscheidet die Zusammensetzung, ob in der Naht oder entsteht — und ein paar Prozent verhindern . Das rechnest du über das : Du bildest ein (aus Cr, Mo, Si, Nb) und ein (aus Ni, C, Mn) und liest im Diagramm ab, welches Gefüge entsteht. Genau diese Rechnung macht der Zusatz-Rechner im Studio automatisch.

Regel 4: Die Aufmischung einrechnen. Der Lichtbogen schmilzt nicht nur den Zusatz, sondern auch einen Teil des Grundwerkstoffs an. Dieser Anteil verdünnt die Naht — die . Bei der Wurzellage kann das bis zu 40 % sein. Rechnest du das nicht ein, stimmt deine Gefüge-Vorhersage aus Regel 3 nicht mehr.

Regel 5: Die Betriebsbedingung entscheidet. Derselbe Grundwerkstoff braucht je nach Einsatz einen anderen Zusatz: Bei Kälte einen , zähen Zusatz mit guter ; bei Hitze einen kriechfesten; bei Korrosion einen passend legierten.

Dazu kommen die vier Grundtypen des Zusatzes. Der fürs /-Schweißen ist ein Vollquerschnittsdraht. Der hat eine Pulverfüllung, die Schlacke bildet und liefert. Die fürs E-Hand-Schweißen bringt ihre mit — fürs Zähe, fürs Einfache, fürs Durchschweißen der Wurzel. Und der wird separat zugeführt, das -Verfahren kommt ohne Umhüllung aus.

Die Normbezeichnung verrät dir den Rest. Ein Massivdraht nach DIN EN ISO 14341-A heißt zum Beispiel „G 42 4 M21 3Si1“ — G für Massivdraht, 42 für die Streckgrenze (mindestens 420 MPa), M21 für das (Argon + CO₂), 3Si1 für die Legierung. Elektroden tragen nach DIN EN ISO 2560 Kennungen wie „E 42 5 B 4 2 H5“. Wer diese Codes lesen kann, sieht auf einen Blick, ob der Zusatz passt — Festigkeit, , Umhüllungstyp und Wasserstoffgrenzwert.

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